
Gründung des Vereins - 1862
Vereinschronik
aus der Festschrift zum Jubiläumsfest
"125 Jahre Gesangverein 1862 Schallbach E.V. "
In den Jahren 1859–1861 fanden sich in unserem Dorf erstmal eine Anzahl Männer in loser Form zusammen, um gemeinsame Lieder zu singen. Schriftliche Zeugnisse jenes Zusammenschlusses sind nicht mehr vorhanden. Es ist die im Jahre 1862 gestiftete Fahne, die als „Geburtsschein“ des Vereins bis heute in Ehren gehalten wird. Das weißseidene Fahnentuch trägt auf der Vorderseite die Jahreszahl 1862, auf der Rückseite die Lyra, von der Bürgerstochter Katharina Scheurer kunstvoll gestickt.
Die Kinderkrankheiten scheinen der jungen Gemeinschaft nicht erspart geblieben zu sein. Es gab Uneinigkeit, Spaltung, Auflösung und Neugründung. Diese Erfahrungen mögen den strengen Zug in die Statuten gebracht haben, die sich der Verein 1864 gab. Sie sind uns erhalten geblieben und machen deutlich, mit welchem Ernst jene Männer ihre Aufgabe anpackten.
Unentschuldigtes Fehlen bei den Proben, ungebührliches Benehmen, die Weigerung ein Amt zu übernehmen, für das man gewählt worden war, ja selbst der Austritt aus dem Verein ohne Angabe stichhaltiger Gründe, wurden mit empfindlichen Geldstrafen bedroht. Wer wiederholt gegen die Satzungen verstieß, konnte ausgeschlossen werden. Mitglieder konnten "alle braven Bürgersöhne" werden, aber keine Fremden.
Über jedes Eintrittsgesuch wurde eingehend beraten und abgestimmt. Es galt als eine Ehre, dem Gesangverein anzugehören. Die Verehelichung wurde als Grund zum Austritt anerkannt. Dem Verein gehörten also zunächst nur Junggesellen an.
Als Zweck des Vereins wurde angegeben: "Gesellige Unterhaltung, Förderung des Gesangs und der Bildung unter den jungen Leuten". Ihren Willen, die Satzungen treulich zu erfüllen, bekundeten 28 junge Bürger durch ihre Unterschrift.
Die musikalische Leitung hatte Direktor Graaf von Haagen übernommen, erster Vorstand war Friedrich Grässlin. Die Zusammenkünfte wurden im Gemeindezimmer abgehalten, wo auch die Fahne aufbewahrt wurde. Zu jedem Ausgang wurde ein anderer Fahnenträger gewählt.
Nach mündlichen Überlieferungen entwickelte der Verein schon in seinen ersten Jahren eine rege Tätigkeit. Er veranstaltete Dorfabende, Gartenfeste und wirkte bei Feiern der Nachbarvereine mit. Später auftretende Störungen hatten ihren Grund meist im Fehlen eines geeigneten Vereinslokals. Es fanden sich aber in solchen Krisen immer wieder Männer, die dem Vereinsleben starke Impulse gaben und den Chorgesang in unserem Dorf neu belebten.
Es sei an dieser Stelle besonders der Treue des damaligen Schallbacher Lehrers Emil Greiner gedacht, der dem Verein 25 Jahre als Chorleiter diente.
Während die Kriege von 1866 und 1870/71 das Vereinsleben wenig beeinträchtigten, brachte die Einberufung fast der gesamten männlichen Jugend im Ersten Weltkrieg die Vereinstätigkeit zum Erliegen. Von den zahlreichen Sängerkameraden, die im Felde standen, durften acht die Heimat nicht wiedersehen.
Nach dem Krieg warben die heimgekehrten Sänger neue Mitglieder, so dass dem Verein im Jahre 1921 wieder 32 Aktive und 9 Passive angehörten. Von einer Krise zu Beginn der dreißiger Jahre abgesehen, war nun dem Verein unter einer Reihe von tüchtigen Chorleitern und rührigen Vorständen eine Zeit stetiger und erfolgreicher Arbeit am deutschen Lied beschieden.
Im Jahre 1937 wurde das 75jährige Stiftungsfest, verbunden mit der Weihe einer neuen Fahne, in einer dreitägigen Feier mit zahlreichen Veranstaltungen begangen.
Urkunde Wertungssingen 1950
Noch zu Beginn des Zweiten Weltkrieges versuchte eine klein gewordene Schar treuer Sänger den Verein am Leben zu erhalten. Schließlich machten die immer zahlreicher werdenden Einberufungen jede Tätigkeit unmöglich. Der wahnsinnige Krieg forderte den Tod von sechs Sängern, zwei waren bei Kriegsende noch vermißt.
Von einigen Getreuen geleistete Vorbereitungen führten dann im Jahre 1947 zur Neugründung des Gesangvereins Schallbach. Zum Ersten Vorsitzenden wurde Fred Babberger, zum Chorleiter Hauptlehrer Ahles gewählt. Unter ihrer Leitung und der regen Mitarbeit alter und neuer Sangesfreunde erwachte der Verein schnell zu neuem Leben.
Der im Jahre 1951 erbaute Gemeindesaal gab dem Verein endlich ein Heim, in dem Proben und auch größere Veranstaltungen ungestört abgehalten werden können.